Filet aus Beton und Asphalt

Am 19.12.2018 war unsere letzte Ratssitzung für das Jahr 2018 – ein langes Jahr mit einem heißen Sommer, mein erstes komplettes Jahr als Stadtrat für B90/Die Grünen in Espelkamp. Eigentlich ja kein Sommer, sondern eine Dürre, die sich bis in den Winter hineingezogen hat. Als Beispiel sei genannt, dass es vom Dezember bis Juni regnen müsste, damit der Rhein wieder seinen normalen Wasserstand erreicht.

Nun bin ich dieses Jahr auch Vater geworden und irgendwie ändert sich doch so manches. Zeit spielt eine größere Rolle und auch wie die Welt in Zukunft aussieht ist für mich relevanter geworden. Deutschland ist das sechst schmutzigste Land der Welt, NRW das Land mit Verkehrskollaps, trockenem Rhein und Braunkohle, Espelkamp eine Stadt mit unterdurchschnittlich vielen Solarpanels, Bürgerwindparks, ÖPNV und Radnutzung.

Irgendwie scheint das aber nicht durchzudringen, da wir im Endeffekt weitermachen wie bisher und der Wandel politisch einfach nicht stattfindet. Wir steuern mit der Welt aktuell nicht Richtung 1,5 °C durchschnittlicher Erwärmung, sondern eher 3–4 °C. Das bedeutet Holland fluten, Dürre, Starkregen und im Allgemeinen keine tolle Welt für unsere Kinder – aber hey, uns geht's heute gut!

Radwege in Espelkamp & den Dörfern

Hier hatten wir als Ortsverband 2016 eine Radtour gemacht, um uns die Radwege anzuschauen, Ende 2017 dann auf Basis der Radtour den Verkehrsexperten Heiner Monheim zu einer Veranstaltung geladen. Und dieses Jahr dann einen Antrag gestellt, ein Radwegekonzept im Speziellen mit Anbindung der Dörfer zu erstellen. Leider wurde der Antrag durch die CDU abgelehnt und in ein Verkehrskonzept für die Zentralstadt umgewandelt. Schade, denn gerade die Dörfer sind schlecht bis gar nicht an die Stadt mit Radwegen angebunden und verdienen im Allgemeinen mehr Aufmerksamkeit.

Es wurde bei den Radwegen genau das gemacht, was man in der Vergangenheit gemacht hat: weiße Farbe auf die Straße. Man schreitet mit den Konzepten des letzten Jahrhunderts fort. Leider! Und das, obwohl man weiß, dass die Mobilität der Zukunft weniger Autos bedeutet, wir also durch Stadtplanung das Auto weniger attraktiv machen müssen und Rad- und Fußverkehr fördern müssen.

Planung des neuen Waldfreibads

Das Waldfreibad – für mich ein Sehnsuchtsort im Sommer. Der Blick von der Mauer ins Becken auf die Insel, die Ruhe unter Wasser, die großen Bäume. Mitten in der Stadt, nah und als Ort des Miteinanders einfach wunderschön.

Leider ist auch hier das Prinzip der Vergangenheit, lieber nichts machen als zu viel machen, über Jahre durch die Stadt gefahren worden. Der Verein als Zusammenschluss der Bürgerinitiative zum Erhalt aus 2003 und als Betreiber hat sein Möglichstes zum Erhalt getan. Er hat eine Planungsstudie in Auftrag gegeben und damit eine Diskussion um die Zukunft des Bades gestartet, die in diesem Jahr in die Entwurfsplanung eines neuen Waldfreibades mündete.

Ich finde hier kann man sehen, dass Gestaltungswille auch etwas bringt – ein Stück Zukunft für die Stadt. Leider verkennt man hier die Entwicklungschance des gesamten Gebiets mit Turnhalle, Badminton, Tennis, Alber-Pürsten-Stadion, Beachhandball, Beachvolleyball usw. als sportliches Zentrum. Hinzu kommen das neue Theater, das ATOLL, das Bürgerhaus und die Breßlauer. Die Topografie der Stadt ist hier einzigartig – all diese POI fußläufig beieinander – und bringt eine so große Urbanität mit so kurzen Wegen.

Ärztehaus im Ostlandviertel

Das Ärztehaus ist ein lange gehegter Traum in der Stadt. Leider verschob es sich immer wieder. Nun wurde in der letzten Ratssitzung verkündet, dass der Investor bereitstände, um ein Ärztehaus zu bauen – also nicht die Stadt ohne Gewinnstreben, sondern ein privater Investor mit Gewinnstreben.

Das Ärztehaus soll im Ostlandviertel entstehen. Damit wird als erstes der parkähnliche Charakter gebrochen, auch die alten Bäume sollen zum Teil weichen. Denn es sollen reichlich Parkplätze auf Wunsch des Investors entstehen, deutlich mehr als der Parkplatzschlüssel vorsehen würde.

Man kann hier wieder den Reflex der Vergangenheit sehen: Anstatt bewusst dafür zu sorgen, dass weniger Fläche versiegelt wird, dass man Daseinsfürsorge selbst in die Hand nimmt, betoniert und asphaltiert man Fläche mit Parkplätzen für einen Investor zu. Man hat auch eine Chance vertan, denn die Chance, selbst Betreiber und somit auch Gestalter zu sein, wird so schnell nicht wiederkommen.